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Hessam Rassouli | Liedermacher - Gedichte&Gedanken

Gedichte und Gedanken

 

Der Herbst

Die Engel blond mit reiner Seele,
rufen Namen immerfort
im leisen Wind aus vollster Kehle,
aus Ost und West aus Süd und Nord.

Meinen Namen willst Du kennen?
Entfiel er Dir nicht gar im Traum?
Mein leblos Holz sollst Du verbrennen,
meinen Samen pflanz' zum Baum!

Durch Mundverrat und Heuchelei,
wird unsere Sicht kaum klargespült,
und fällt’s ins Schloss tief im Gespür,
so ist das Herz bald ausgekühlt.

Pfeift nun der Wind jäh übers Meer,
aller Menschen Namen,
aus Deiner Glut mein Staub entspringt,
aus deinem Baum mein Samen.

Mein Feuer wärmt,
mein Duft verführt,
mein Bild zerfällt zu Staub,
all das was mir je gehört',
fällt dem Herbst zu Laub.

Der Schmied

Und immerwährend, jeden Tag
Klopft der Schmied das Eisen.
Und ist er krank vor Not und klagt
kann es ihm nicht entgleisen.

Durch Feuer und durch Zuarbeit
lässt es sich prima prägen.
Zu Scheide, Schild und Schwert bei Schlacht
und manchmal auch zu Sägen.

"Hämmer Schwingen jeden Tag,
ist das denn wirklich was ich mag?
Tag ein Tag aus das Feuer schüren?-
So öffnen sich mir niemals Türen!"

Drum trifft er den Herrn Advokat
der stets hat einen Rat parat:
Die Künste wären ehr' sein Ding
"Vielleicht versuchst du's mal mit sing'"

"Naja mal schaun'" sagt sich der Schmied,
„so will ich es doch wagen“
Ein Schelm der Böses dabei denkt.
Sein Ruhm kommt bald zum tragen:

Vorhang auf, Applaus Applaus
schreitet er zu Tate
„So schwierig wird das schon nicht sein,
ist schließlich kein Karate“

Gesagt getan, "drück auf die Düse"
ruft man ihm noch zu
Welch grässlich' Ton, dazu Gemüse
und ein lautes "BUUH"

Mit sowas hätt' er nie gerechnet,
Ach welch große Pein.
"Die Künste sind wohl nicht mein Ding
- das Malen lass ich auch gleich sein"

Erneut sucht er den Advokat
"Hättest du sowas gedacht"
Entspannt antwortet dieser ihm
"Klar!-Selten so gelacht"!

Nun kennt heut alle Welt den Thor
der für ein ganz klein wenig Ruhm
geradewegs, sein Schaffen und Gesicht verlor.

Wenn das Märchen

Wenn das Märchen sich selbst erzählte, so wählte es nur die wohlsten Worte. Wenn das Märchen selbst die Feder führte, so wählte es das Leben in reinster Prosa und den Tod in pulsierender Dramatik. So wünschte ich es wählte uns um zu lieben. So wünschte ich dein Herz wär' mein.

Weiß und Grau

Wie ein Täublein weiß und grau
liege ich zu deinen Füßen,
Nichts zu bringen hab ich dir von den Wolken soll ich Grüßen

Nimmst mich rauf zu deinem Herzen
drückst mich fest an deine Brust,
nimmst mir meine Täublein Schmerzen, nimmst mir meinen Täublein Frust.

Die Kinder der sandigen Straßen

Sie sind die Kinder der sandigen Straßen
Ihre Köpfe voller Klugheit und schwer
Ihr Lachen verstummt, Ihre Seelen erstickt
Ihre Herzen voller Tränen doch leer

Freiheit

Ist es wirklich so lohnend nach Freiheit zu streben? Vor der Mauer der Unwissenheit steht der Begehrende, dahinter die Einsamen, jeder für sich allein. Sie die Freiheit. Sie die Autarke. Sie die Begehrteste und Teuerste. Jene, die aus sicherer Entfernung so begehrenswert und wunderschön erscheint. Wie eine Blume, unerreichbar auf der Flanke eines unbezwingbaren Berges. Der Alte und die Blume. Unangetastet und schier unverwüstlich wiegt sie sich im Schutze der Felswand und spendet dem Alten Trost. Hat nun unser begehrender Thor, nach den Mühen des beschwerlichen Aufstiegs, tatsächlich noch eine Prise Wahnsinn im Herzen übrig, um Sie zu lieben, bleiben sein Mut und seine Treue unerwidert von ihr. Denn die Freiheit ist eine unbarmherzige, vereinnahmende und zutiefst eifersüchtige Geliebte. Bald sieht sich der Liebende selbst, den Adlern zum Fraße ausgesetzt, während sich seine treulose Geliebte an den Wind verliert.

Ehrlichkeit

Nackt ist die Ehrlichkeit und wohlwollend. Doch lässt sich unter ihr nur zu gut der Dolch der Heuchelei verbergen mit dem der Unsichere den Zweifelnden niederstreckt.